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Eifel in klein

wp bolsdorfer taelchen header 2Am SeeDas „Bolsdorfer Tälchen“ in der Vulkaneifel zwischen Hillesheim und dem Stadtteil Bolsdorf gehört zu den beliebtesten Naherholungsgebieten der Verbandsgemeinde Gerolstein. Jogger, Radfahrer, Spaziergänger, Fitness-Parcours-Gänger, Boule-Spieler finden hier Freizeitmöglichkeiten. Doch das ist es nicht alleine, was den Reiz des „Tälchens“ ausmacht.

Gerd Ostermann ist „Biotopbetreuer“ beim Landkreis Vulkaneifel und als solcher steht er gerade im 2000 eröffneten Pavillon mit den vielen Erläuterungstafeln zu Erdgeschichte, Gesteinsarten, Eisenerzgewinnung, und anderem mehr im „Bolsdorfer Tälchen“. Hier, oberhalb des 12.500 Quadratmeter großen künstlich angelegten Teichs mit dem Seerosenbewuchs, dem schönen Röhricht und Schilfgrassaum, wird es mit ihm jetzt wissenschaftlich. Denn es gibt ja Gründe, warum das „Tälchen“, wie es die Hillesheimer nur nennen, so ist, wie es ist. Tatsächlich ist damit eine Mischung aus Garten- und Landschaftsbau auf rund 45 Hektar rund um den Teich, und naturbelassenen Flächen über rund 420 Hektar im unteren Bereich des „Tälchens“ bis zum Ortseingang von Bolsdorf gemeint. „Das Ergebnis einer weitsichtigen Stadtentwicklungsplanung“, lobt der Fachmann aus Birgel.

Aus seiner Sicht ist die Geomorphologie – Landformenkunde – in und um Hillesheim herum ohnehin etwas Besonderes. Der „Eiskeller“ etwa wurde in den Buntsandstein geschlagen, Kalkfelsen prägen wiederum die östliche Seite des „Tälchens“, und wenige Meter oberhalb der „Höhenroute“ der zahlreichen Spazierwegvarianten durchs „Tälchen“ sind schon erste Basaltsteinbrüche, teilweise noch in Nutzung, also vulkanisches Gestein zu finden. Hillesheim selbst ist letzter Teil der gleichnamigen Kalkmulde, die bei Üxheim beginnt.

Aus Sicht des Naturschutzexperten bündeln sich vor allem einige Besonderheiten im „Tälchen“ selbst und allesamt sind für sich Biotope: Zum einen der hohe Laubwaldanteil mit der Buche als Leitbaum, sowie Eichen, Eschen und Birken; zum zweiten die Kalkfelsen, von denen einige auch regelmäßig freigeschnitten werden, zum dritten – wenn auch nur kleine - artenreiche Kalkmagerrasenflächen, schließlich der Hillesheimer Bach.

wp bt 010120201 1Aussichtspunkt an der kleinen Höhle.Eigentlich ist das Fließgewässer, das aus mehreren Zuflüssen im Quellgebiet zwischen Wiesbaum und Berndorf entsteht, ein nicht weiter bedeutsames Bächlein: Es durchfließt Hillesheim meist verrohrt in einem begradigten Verlauf unterirdisch – zu Tage tritt der Bach kurz am „Eiskeller“ und hinter dem Hotel Augustinerhof - ,  speist mit einem abgezweigten Nebenlauf den See und mündet schließlich unterhalb von Bolsdorf in die Kyll. Als Bolsdorfer Bach, wohl gemerkt.

Doch auf den letzten Metern ist das Fließgewässer nicht ungefährlich: „Es kam in Bolsdorf immer wieder zu Überschwemmungen bei Hochwasser“ so Gerd Ostermann. Deshalb habe man 2017 mit den Planungen für ein Rückhaltebecken entsprechend dem „Aktionsplan Blau +“ des Landes begonnen, ergänzt Jürgen Mathar von der Verbandsgemeinde Gerolstein. Im vergangenen Jahr wurde der Bau für 7,5 Millionen Liter Wasser abgeschlossen.

Zudem wurde durch Anheben der Bachsohle auf ihr ehemaliges natürliches Niveau auf einer Strecke von 550 Metern unterhalb eine überflutbare Bachaue geschaffen.

wp bt 010120201 4"Das "Bolsdorfer Tälchen" in Höhe des "Barfußpfads".„Doch das Entscheidende ist: Der Bach fließt so gut wie immer!!“ Martin Manheller, von 1982 bis 2018 Leiter des Forstamtes Hillesheim und heute Vorsitzender der Ortsgruppe des Eifelvereins, kennt die Bäche der Umgebung gut genug. Wo andere Gewässer in den vergangenen Dürresommern schon längst trockengefallen waren, floss der Bach durchs „Tälchen“ immer noch. Vor allem aber ist der Bach für Flora und Fauna „von großer Bedeutung“, betont Manheller.

"Was Sie hier im ‚Bolsdorfer Tälchen‘ alles haben, das ist zwar nicht einzigartig,
aber in dieser Vielfalt doch bemerkenswert“ meint der langjährige Forstamtsleiter.

Er hat schon vor Jahren einen forstwirtschaftlichen Lehrpfad mit großen Informationstafeln konzipiert, der die Erklärungen zum 1986 angelegten „Geo-Pfad“ Hillesheim – der erste in Rheinland-Pfalz – ergänzt.

„Was Sie hier im ‚Bolsdorfer Tälchen‘ alles haben, das ist zwar nicht einzigartig, aber in dieser Vielfalt doch bemerkenswert“, meint Manheller. Was er dann aufzählt, ist auch das Ergebnis einer gemeinsamen Strategie, die Verwaltung, beratende Fachstellen wie die Forst- und Wasserwirtschaft schließlich in zwei Bauabschnitten 1995 und 1998 für insgesamt rund 1,75 Millionen D-Mark umsetzten. 80 Prozent der Kosten wurden von der Europäischen Union, dem Land Rheinland-Pfalz und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Vulkaneifel bezuschusst.

wp bt 010120201 2Wiese oberhalb des "Tälchens".Eine der Grundüberlegungen war damals - neben dem Verzicht auf intensive landwirtschaftliche Nutzung des Gebietes zwischen Foller Berg und Aueler Berg als topographischer Begrenzung auf der östlichen Seite - nicht standorttypische angepflanzte Fichten entlang des Bachlaufs zu entfernen. Die Stadt kaufte deshalb so weit wie möglich Flächen von Privatleuten auf, die den Eifeler „Brotbaum“ wegen der bekannten schnellen Rentabilität angepflanzt hatten.

Ein zweiter Aspekt war der Schutz und die Ausweitung von Kalkmagerwiesenflächen. „Das sind die Standorte zum Beispiel von Orchideenarten wie dem Bleichen und dem Roten Waldvögelein, der Küchenschelle oder dem Mannknabenkraut“, so Förster Martin Manheller.

Bedeutsam als Nist- und Futterstandorte für die Vogelwelt im „Tälchen“ ist zudem die Pflege und der Erhalt des dichten Strauch- und Heckensaums auf der Ostseite des Bachs. Im undurchdringlichen Bewuchs aus Hartriegel, Weiß- und Schwarzdorn, Wolligem Schneeball, Pfaffenhütchen und Seidelbast fühlen sich alle typischen Singvögel, aber auch der Neuntöter, die Mönchsgrasmücke oder Wasseramsel wohl. Rotmilan, Habicht, Sperber und Turmfalke kreisen oben drüber.

„Das Wasser des Hillesheimer Bachs ist auch wichtig für die Wildtiere, so für den Sprung Rehe, der eigentlich immer im ‚Tälchen‘ ist“, meint Manheller. Weiteres Niederwild im Kleingebiet sind etwa Feldhase, Fuchs, Steinmarder, Iltis, Wiesel. Dazu kommen etwa Hasel-, Rötel- und Wühlmaus. Das Kleingetier tummelt sich in üppiger Bodenflora mit zum Beispiel Eisenhut, Ahornstab und anderem mehr.

wp bolsdorfer taelchen header 1Das "Tälchen" im Spätsommer im unteren Teil.Wer die Vielfalt der Botanik im „Bolsdorfer Tälchen“ erleben will, der kann in der Hauptvegetationszeit ab dem frühen Frühjahr fast im Wechsel das Erblühen der Arten erleben. Das „Tälchen“ ist zum Beispiel bekannt für große Standorte des „Märzenbechers“.

Bei so viel Natur darf nicht vergessen werden, dass der Erholungsgedanke für die Bevölkerung an erster Stelle der damaligen Planungen stand. Da gehört das Naturerleben dazu, aber nicht nur.  Oberhalb des Taleingangs befindet sich die Hillesheimer Tennishalle, sowie eine Gastronomie mit dem Café und Restaurant „Flair“. Es gibt auf den Wiesen am See XXL-Liegen und einen Spielplatz. Entlang des Weges hinunter nach Bolsdorf wurde ein 1,5 Kilometer langer „Barfußpfad“ mit 22 Stationen angelegt.

Wenn auch etwas versteckt führt ein Pfad ins kleine ehemalige Eisenerzabbaugebiet im Aueler Berg.

„Karla Kirsches Fitnesspfad“ führt über mehrere Streckenvarianten zwischen vier und acht Kilometern durchs Gebiet, mehrere Routenoptionen haben auch Spaziergänger, Jogger und Walker durchs und rund ums „Tälchen“. Entlang des Hauptweges führen der Eifelsteig, der Kylltal-Radwanderweg und örtliche Wanderwege des Eifelvereins.

Selbst Kulturgeschichte kommt nicht zu kurz:  Wenn auch etwas versteckt führt ein Pfad ins kleine ehemalige Eisenerzabbaugebiet im Aueler Berg. Ein Mundloch zu einem Stollen ist noch gut erkennbar, vor dem Betreten von Pingenzügen im Wald rund um das ehemalige Abbaugebiet wird gewarnt.

bolsdorfer taelchen hillesheimer bach 2Der Hillesheimer BachOberhalb des „Tälchens“ verlief einst die Bahnstrecke Richtung Gerolstein. Die verwunschen durch den Wald führende ehemalige Bahntrasse, sie endet oberhalb einer geschützt liegenden großen Wiese, auf der immer mal wieder die „Tälchen-Rehe“ stehen, ist heute Teil der „Höhenroute“ für Spaziergänger. Die Bahnstrecke war einst durch einen Viadukt oberhalb des heutigen Sees weitergeführt. Doch die gemauerte Verbindung wurde noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs durch die Wehrmacht gesprengt.

Heute steht am einstigen Anschlusspunkt an den Foller Berg eine Sitzbank, gestiftet von „Tälchen“-Liebhabern. Ein besonders schöner, etwas versteckter Aussichtspunkt auf die Reste der mittelalterlichen Stadtmauer von Hillesheim ist entstanden.

Eine der schönsten Ideen zur Abrundung des Gesamtkonzeptes hat allerdings mit dem Kerbtal selbst in erster Linie nichts zu tun: „Das Kleine Museum“ Bolsdorf, direkt am Eingang zum „Tälchen“, stellt in einer ehemaligen Feldscheune historisches landwirtschaftliches und handwerkliches Leben, dazu Brauchtum und Alltag in alten Zeiten im Dorf vor. Zusammengetragen und arrangiert wurden die vielen Exponate von den Bolsdorfern selbst. 2013 wurde ihr Museum eröffnet. Dazu gehört nebenan das ehemalige Backhaus des Dorfes, der „Backes“ aus Bruchstein und natürlich das hübsche Kirchlein St. Magareta.


Alles das macht das „Bolsdorfer Tälchen“ besonders, „und die Hillesheimer lieben es“, ist Martin Manheller überzeugt. Biotop-Berater Gerd Ostermann schmunzelt: Seiner Meinung nach müsste man das „Tälchen“ schlicht unter Naturschutz stellen: „Es hat alles, was dafür nötig ist!“ Doch nicht einmal als Flora-Fauna-Habitat Gebiet (FFH) ist es bisher anerkannt.

Immerhin, im Naturschutzgebiet-Kataster des Landes Rheinland-Pfalz sind die Talhangbereiche zwischen Hillesheim und Bolsdorf verzeichnet. Die Kalk-Buchenwaldabschnitte mit Felsen, Magerwiesen und kleinflächigem Kalk-Magerrasen sind kartiert. Der gesamte Bereich gilt als „wichtiges Trittsteinbiotop für blütensuchende Insekten sowie Wald und Höhlen bewohnende Tierarten“.

Daran denken die Boule-Spieler auf ihrer von einer Gruppe aktiver Senioren aus Hillesheim angelegten Spielfläche oberhalb des Info-Pavillons vermutlich gerade nicht. Und auch nicht die Kinder auf Exkursion beim „Waldkindergarten-Tag“. Ihnen geht es vielleicht um die Steine im Hillesheimer Bach. Darunter sind mit Glück Flusskrebse zu finden.

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